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Im Interview: Designer Frederik De Wachter über Farben und Formen

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Farben und Formen prägen unseren Einrichtungsstil.
Farben und Formen prägen unseren Einrichtungsstil. © Roger Davies (www.RogerDaviesPhotography.com)

Es gibt unendlich viele Einrichtungsstile: Retro, Vintage, Shabby, Skandic – das sind die bekanntesten Begriffe, wenn es um das Herrichten der eigenen vier Wände geht. Der Mailänder Interior-Designer Frederik De Wachter räumt in unserem Interview mit Vorurteilen in Bezug auf Farben und Formen auf und gibt eine Einschätzung ab, wie bunt die Wohn-Welt in Zukunft noch wird.


Frederik De Wachter, Copyright: Adrianna Glaviano
Frederik De Wachter PR (© Adrianna Glaviano)
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Frederik De Wachter

Der gebürtige Belgier kam eigentlich nur für ein Auslandssemester nach Mailand. Das ist einige Jahre her. 2005 gründete er dann gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Alberto Artesani das DWA Design Studio. Sie sind ständig auf der Suche nach Symbiosen aus neuen Formen und Materialien und zu ihren Kunden gehören u.a.: Salvatore Ferragamo, Swarovski, Ermenegildo Zegna, Wallpaper*Magazine. Für sie kreieren Frederik und Alberto Installationen und Innenausstattungen. Aufträge kommen aber auch von Privatleuten.

Erkläre doch einmal kurz, inwieweit Formen bei euren Einrichtungsstilen eine Rolle spielen

Wir lieben es einfach hohe und niedrige, einfache und komplexe, reine Formen mit kleinen Details nebeneinander zu stellen, die sie noch verschönern.


„Keine Scheu vor wilden Kombinationen. Es gibt keine Formen, die nicht miteinander harmonieren“

Frederik De Wachter

Was sollte ich beim Einrichten meiner eigenen vier Wände beachten?

Viele sehen nur den Raum an sich, überlegen, wo die Couch, das Bett, der Schrank oder der Tisch hinkommen. Stellen die Sachen ab, malen eventuell noch die Wände an und das war’s. Egal, bei welchem Einrichtungsstil – egal, welche Farben und Formen du benutzen möchtest: Schau dir den entsprechenden Raum immer genau an und beziehe bei deiner Planung das ganze Gebäude und das ganze Umfeld mit ein. Das gilt natürlich noch mehr für das Herrichten des Gartens , der Terrasse oder eines Balkons – schau dich um, mach die Augen auf und lass dich davon inspirieren, was du siehst!

Gibt es dabei Farben und Formen, die ganz wunderbar miteinander harmonieren?

Ich persönlich mag es sehr, wenn man mit klaren Formen arbeitet, die sich hier und dort immer mal wiederholen. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist das Bücherregal „Mexique“ von der französischen Designerin und Architektin Charlotte Perriand aus dem Jahr 1953. So alt, aber doch so modern. Sie mixt nicht nur Farben und Formen, sondern auch Materialien – ich denke generell, dass man beim Einrichten keine Scheu vor wilden Kombinationen haben sollte. Es gibt keine Formen, die nicht miteinander harmonieren!
Geradlinigkeit ist immer ein guter Schritt in die richtige Richtung. Wer grundsätzlich auf kräftige Farben steht, sollte bei den Möbeln darauf achten, dass sie eher schlicht und nicht zu aufwendig verarbeitet sind.

„Licht spielt in einem Raum eine genauso wichtige Rolle wie Farben und Formen“

Frederik De Wachter

Vorurteile wie: Kein Schwarz in der Wohnung oder runde und eckige Teile passen nicht zusammen – wie stehst du dazu?

Dieses Schubladendenken finde ich ganz schlimm – Leute, bitte hört auf damit! Die wohl großartigsten und inspirierendsten Einrichtungsgegenstände der Welt würde es nicht geben, wenn der entsprechende Designer sich darüber Gedanken gemacht hätte, ob eine Farbe eventuell träge oder depressiv macht.

Also passen deiner Meinung nach alle Farben zusammen?

Ich finde nicht, dass man sich immer streng an vorgegebene Farbschemen halten sollte. Es kommt wirklich immer auf die Situation im Raum und auf das Licht an. Licht spielt in einem Raum eine genauso wichtige Rolle wie Farben und Formen.

Wenn du jetzt an bestimmte Räume und Situationen denkst: Welche Tipps kannst du uns geben, welche Farben sollten wir in bestimmten Räumen lieber weglassen?

Das hat natürlich viel mit dem eigenen Geschmack und der jeweiligen Wohnung zu tun. Ich bin kein Freund davon sich strikt an Ratgeber zu halten. Meiner Meinung nach haben Primärfarben aber zum Beispiel nichts im Wohnzimmer zu suchen, die sind zu grell. Eine gelbe Küche geht auch gar nicht und der Eingangsbereich in Rot oder Orange ist keine gute Idee! Womit ich nicht sagen möchte, dass diese Räume eher hell gehalten werden sollten. Bei mir zu Hause funktioniert zum Beispiel eine warm-braune Küche toll und mein Flur ist in einem dunklen Grau gehalten, während mein Wohnzimmer sehr schön in Hellgrau funktioniert. Da ich keine Kinder habe, besitze ich natürlich kein Kinderzimmer ... Hätte ich aber eins, würde ich es in Smaragdgrün halten. Bei einem Badezimmer kommt es neben dem Licht auch sehr auf die Größe an. Ist das Bad an sich sehr hell, dann ist Grün ein absolutes No-Go! Und schlecht träumen würde ich in einem Schlafzimmer, das Rot gestrichen ist. Wie schon gesagt, das geht nach Geschmack und natürlich kommt es stark auf die Räume an.


  • Farben und Formen als Gestaltungsmittel eines Hotelzimmers.
    Für die Gestaltung der Hotelzimmer des Mailänder Room Mate Hotel Giuliana haben DWA sich komplett von ihrer Heimatstadt inspirieren lassen. © PR (DWA)
  • Farben und Formen mit bunten, graphischen Akzenten.
    Bunte, grafische Akzente heben einzelne Ausstellungsstücke auf der Wallpaper* Handmade exhibition 2013 besonders hervor. © PR (DWA)

Nun ist ja bekannt, dass ich meinen Raum eher hell halten sollte, wenn die Decken nicht so hoch sind. Andere haben aber das Luxusproblem, dass die Decken so hoch sind, dass sich die Einrichtung darin verliert. Welche Tipps hast du für diejenigen?

Das Tolle an Farben ist, dass du einen Raum damit sehr stark verändern kannst, ohne gleich ganze Wände einzureißen. Eine Decke wirkt zum Beispiel niedriger, wenn du sie in dunkleren Tönen streichst und die Farbe über die Ecken hinaus ein Stückchen auf den oberen Teil der Wände überträgst.Wer den Platz hat, kann mit Farbe sogar ganz neue Abteile in einem Raum erschaffen, indem einfach eine Ecke oder Nische in einer ganz eigenen Farbe gestrichen wird, die sich natürlich vom Rest des Raumes abheben sollte. Die Architekten in der Renaissance-Zeit waren richtige Meister darin, räumliche Illusionen durch Farben und Formen zu kreieren.


„Jeder hat seinen eigenen Stil, seinen eigenen Geschmack und darauf sollte man stolz sein“

Frederik de Wachter

Wie hat sich bei den Einrichtungsstilen der vergangenen Jahrzehnte überhaupt das Zusammenspiel von Farben und Formen verändert?

Farben und Formen haben sich sehr stark verändert und heute befinden wir uns in einer kontinuierlichen Evolution – eigentlich so wie in der Fashion-Industrie. Es gab das grell-bunte Interior mit runden Formen in den Sechzigern und Siebzigern, dann die eher natürlichen Einrichtungsgegenstände in geometrischen Formen in den Achtzigern und in den Neunzigern minimalistische Formen in Kombination mit Weiß. Heutzutage ist alles wieder eher bunt und die Formen sind eine Kombination aus sanft und minimalistisch. Niemand sollte einem bestimmten Einrichtungsstil nacheifern. Jeder hat seinen eigenen Stil, seinen eigenen Geschmack und darauf sollte man stolz sein.

Was ist der aktuelle Trend in Bezug auf Farben und Formen?

Ganz aktuell wird wieder viel Pink mit dunkleren Farben, wie Grau, Gün oder Blau, gemixt. Und ich habe ein wenig das Gefühl, dass sich das noch ausweiten wird. Das Interesse geht immer stärker hin zu noch grelleren Tönen – ein wenig so wie damals bei den Arbeiten des mexikanischen Architekten Luis Barragán.

Das heißt, wir können uns auf eine farbenfrohe Zukunft freuen! Wenn Pink nun nicht unbedingt meine erste Wahl ist und ich auch kein Händchen für Formen habe – wie kann ich meinen Wohnraum noch verschönern?

Ich bin sehr dafür, die Natur ins Haus zu holen. Auch hier setze ich persönlich auf Pflanzen, die eine klare Linie haben. Das gleiche gilt dann für die Töpfe, verschwende da nicht zu viel Energie – schlicht und einfach sollten sie sein. So natürlich wie möglich.